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AUSGABE 2007_01 * * * A R T I K E L * * *


Anthropological research into intersexuality:
The Category of ‘the Third’ – some theoretical and political implications

von Lena Eckert

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 114kb



Spielend ein richtiger Junge werden? – Zur Geschlechternormierung im medizinisch-psychologischen Umgang mit sogenannten „Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter”

von Jannik Franzen

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 241kb

 



Marlon, die zwei Kulturen, die zwei Geschlechter und die Macht des  chirurgischen Messers – Anmerkungen zu Intersexualität und Geschlechtervielfalt

von Carsten Balzer

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 111kb

 



Gelebte Heteronormativitätskritik:
Tunten in Berlin zwischen schwulen-politischem und transgenderpolitischem Selbstverständnis

von Carsten Balzer

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 113kb

 



“ALMOST HOMOSEXUAL“ – Schwule Frauen/ Schwule Transgender (GirlFags/Trans*Fags)

von Uli Meyer

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 150kb

 



Zur Konstruktion von Geschlecht und Geschlechterregimen in dem Gender Recognition Act 2004 und im englischen Parlament

von Adrian de Silva

Abstract:  de engZum Artikel:  >> pdf 114kb





 

 



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* * * FOLGEND DIE ABSTRACTS IN DEUTSCH * * *
* * * FOLLOWING THE ABSTRACTS IN ENGLISH * * *

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Anthropological research into intersexuality:
The Category of ‘the Third’ – some theoretical and political implications

von Lena Eckert

A B S T R A C T

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der anthropologischen Forschung über Intersexualität des renommierten US-Amerikanischen Wissenschaftlers Gilbert Herdt aus den Jahren 1988 bis 1994. Herdt forscht seit mehreren Jahrzehnten zu Fragen von sex und gender in Papua Neu Guinea. Seit den 1980er Jahren begann er Intersexualität in Gemeinschaftsarbeit mit Psychoanalytikern und Medizinern zu untersuchen. In diesem Artikel werden verschiedene Theorien dargestellt um die Entwicklung von Überlegungen die zur Erfindung des "Dritten" (als entweder third sex und/oder third gender) beigetragen haben. In diesen anthropologischen "Narrationen" kann man erkennen wie unterschieldiche Terminologien zu der Manifestation von sex und gender Dichotomien sowie der Pathologisierung von Intersexualität geführt haben. Einige ForscherInnen haben jedoch versucht durch die Verwendung dieser Kategorie bestimmte politische Ziele zu erreichen. Aber obwohl das "Dritte" eine bestimmte Leistung als politisches Werkzeug leisten kann sind einige theoretische Probleme zu erkennen. In diesem Artikel werden die theretischen und politischen Grenzen einer solchen exklusiven Kategorie untersucht.

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Anthropological research into intersexuality:
The Category of ‘the Third’ – some theoretical and political implications

by Lena Eckert

A B S T R A C T

This paper addresses anthropological research into intersexuality conducted by the famous US-American scholar Gilbert Herdt between the years of 1988 and 1994. Herdt has researched issues of gender and sexuality in Papua New Guinea for several decades. Since the middle of the 1980s he started to research the category of the intersexuality in collaboration with psychoanalysts and physician. In this paper various theories are depicted to show the development of thoughts which are at play in the invention of 'the Third' (as either third sex and/or third gender). In these anthropological "narratives" one can see how certain terminologies lead to the manifestation of sex as well as gender dichotomies and also to the pathologization of intersexuality. Nevertheless, some researchers have sought to achieve specific political aims by the use of this category. But even though 'the Third' might gain power in temporary and provisional settings as a political tool, there are theoretical problems to be detected. In this paper the theoretical and political limitations of the application of such an exclusive category are investigated.

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Spielend ein richtiger Junge werden? –- Zur Geschlechternormierung im medizinisch-psychologischen Umgang mit sogenannten „Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter”

von Jannik Franzen

A B S T R A C T

Der Artikel diskutiert psychologisch-psychiatrische Begriffe geschlechtlicher Rollen- und Identitätsentwicklung am Beispiel der Diagnose der "Geschlechtsidentitätsstörung des Kindes- und Jugendalters". Er zeigt auf, wie diese (relativ junge) Kategorie aus früheren Konzepten und "Behandlungs"-Praktiken für "homosexuelle Entwicklungen" hervorgingen. Wurden vormals nonkonforme Ausdrucksweisen von Geschlecht bei Kindern und Jugendlichen (z.B. bezogen auf die Wahl von Kleidung, Spielen, Interessen und Freund_innen) als "abweichende" (und damit zu verhindernde) sexuelle Entwicklung gelesen, erfolgte im Zuge der Entpathologisierung von Homosexualität eine Umdeutung: Dieselben Verhaltens- und Ausdrucksweisen wurden nun als drohende "Störung" der geschlechtlichen Identität bewertet. Vor dem Hintergrund eines gesellschaftlich geteilten (Geschlechter-)Wissens treten die Konstruktionsprozesse der Definitionen von "Normalität" und "Abweichung"  zurück hinter vorgeblicher wissenschaftlicher Objektivität und erscheinen die (mehr oder weniger gewaltsamen) medizinisch-psychologischen Normierungen als notwendige Therapien.

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Spielend ein richtiger Junge werden? – Zur Geschlechternormierung im medizinisch-psychologischen Umgang mit sogenannten „Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter”

by Jannik Franzen

A B S T R A C T

The article discusses psychological-psychiatrical terms of the development of gender roles and identity by using the example of the diagnosis of "gender identity disorders of childhood and adolescence". It shows how this (relatively recent) category emerged from older concepts and "treatment-" practices  of  "homosexual development". While earlier non-conforming expressions of gender in children and adolescents (e.g. concerning the choice of clothes, games, interests and friends) were read as "deviant" (and therefore to be prevented) sexual development, there was a reinterpretation happening with the de-pathologization of homosexuality: the same patterns of behaviour and expression were now seen as an emerging "disturbance" of gender identity. With societal differentiated (gender-) knowledge as a background the processes of construction of the definitions of "normality" and "deviance" regressed behind alleged scientific objectivity and the (more or less violent) medical-psychological standardizations appear as necessary therapies.

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Marlon, die zwei Kulturen, die zwei Geschlechter und die Macht des  chirurgischen Messers – Anmerkungen zu Intersexualität und Geschlechtervielfalt

von Carsten Balzer

A B S T R A C T

Der vorliegende Artikel zeigt anhand der Lebensgeschichte eines Individuums, welches auf grausame Weise in die Mühlen von Zwei-Kulturen- und Zwei-Geschlechter-Ordnungen geraten ist, elementare Unterschiede in der kulturellen Konstruktion von Geschlecht und Geschlechterordnungen auf. Dabei werden in der Spiegelung der westlichen "Syndrom"-Kategorie "Intersexualität" mit ausgewählten Formen indigener Geschlechtervielfalt nordamerikanischer Kulturen auch unterschiedliche Auswirkungen dieser Konstruktionen sichtbar. Im gezeigten Beispiel stehen den traumatischen Auswirkungen der zwangsweisen "Verordnung eines Geschlechts" innerhalb einer "naturalisierten Zweigeschlechterordnung" verschiedene flexible und variable nicht-biologistische Konstruktionen von Geschlecht gegenüber, die statt traumatischer Auswirkungen in bestimmten Fällen eine besondere gesellschaftliche Rolle bedingen. Gleichzeitig wird die Annahme einer Universalität der dichotomen Geschlechterordnung von Mann und Frau widerlegt und das Zusammenspiel verschiedener komplexer Machtstrukturen, wie sie in und durch unsere modernen westlichen Gesellschaften wirken, veranschaulicht.

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Marlon, die zwei Kulturen, die zwei Geschlechter und die Macht des  chirurgischen Messers – Anmerkungen zu Intersexualität und Geschlechtervielfalt

by Carsten Balzer

A B S T R A C T

The article shows elementary differences in the cultural construction of sex/gender and sex/gender orders by telling the life story of an individual, who got between the millstones of a two-culture-order and a binary sex/gender-order. In contrasting the western "syndrome" category "intersexuality" with selected forms of indigenous gender diversity of north-american cultures, different outcomes of these constructions become visible. The example used juxtaposes the traumatic effects of a forced sex/gender designation inside a "naturalized dimorphic sex/gender system" with diverse flexible and variable non-essentialist constructions of sex and gender that in certain cases provides the individual with a specific societal role instead of traumatic experiences. Simultaneously, the proposition of the universality of the dichotomous sex/gender order of man and woman is refuted and the intertwining of certain complex structures of power that effect and are inherent in our modern western societies is depicted.

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Gelebte Heteronormativitätskritik:
Tunten in Berlin zwischen schwulen-politischem und transgenderpolitischem Selbstverständnis

von Carsten Balzer

A B S T R A C T

Vor dem Hintergrund der Kontinuitäten und Veränderungen im Selbstverständnis von Menschen, die sich in den vergangenen 30 Jahren als "Tunten" bezeichneten, untersucht der Artikel die Vielfalt an Selbstbildern, die sich in Berlin zu Beginn des 21. Jahrhunderts hinter diesem subkulturellen Begriff verbirgt. Die Selbstbilder stehen im Kontrast zu den von heteronormativen Diskursen geprägten Fremdbildern, z. B. psychiatrischer und sexualwissenschaftlicher Diskurse, nach denen bei "effeminierten Homosexuellen das Tragen weiblicher Kleidung das Ziel hat, einen männlichen, sexuell aktiven Partner zu finden".
Anfang der 1970er Jahre eigneten sich schwule Männer der sogenannten 68er Generation in emanzipatorischer Weise den Begriff "Tunte" an. Die ursprünglich im heterosexuellen Mainstream als Beleidigung verstandene Bezeichnung, wurde zum Synonym für ein emanzipatorisches schwules Selbstverständnis, welches sich sowohl in der Selbstdefinition, als auch im Handeln und Aussehen zeigte. Ende der 1990er führten die neuen Diskurse einer "Neuen Sozialen Bewegung", die sich Transgender nennt, jedoch zu signifikanten Veränderungen im Selbstverständnis jener, die sich als Tunten bezeichnen.
Anhand der Selbstbilder und Selbstdefinitionen verschiedener Berliner Tunten, wie sie sich Anfang der 2000er präsentierten, wird eine Vielfalt und teilweise eine Neuorientierung im Selbstverständnis und im politischen Handeln dieser sozialen Akteur_innen deutlich. Gleichzeitig offenbaren die neuen Selbstbilder eine Diversität unterschiedlicher geschlechtlicher Identitäten. Diese Diversität widerspricht den Stereotypen, die in den Subkulturen und der Mehrheitsgesellschaft existieren, und verweist auf die Wichtigkeit den Kontext subkultureller und soziohistorischer Prozesse in die Untersuchung solcher Identitäten miteinzubeziehen.

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Gelebte Heteronormativitätskritik:
Tunten in Berlin zwischen schwulen-politischem und transgenderpolitischem Selbstverständnis

by Carsten Balzer

A B S T R A C T

The article examines the diversity of self-images, which are covered by the subcultural term "Tunten" in the Berlin of the 21st Century against the background of both the continuities and changes in the self-perception of the people who have claimed this term for themselves in the course of the last 30 years. These self-images are contrasted to the ascribed images of heteronormative discourses like those psychiatric and sexologist discourses that claim "the cross-dressing of effeminate homosexuals is a means to find a masculine, sexually active partner".
In the early 1970s gay men of the so-called 1968 generation appropriated the term "Tunte" in an emancipative way. Originally a slur employed by heterosexuals, the term became synonymous with an emancipative gay self-understanding composed of self-definition, behaviour and appearance. However at the end of the 1990s new discourses of the new social movement calling itself "Transgender" brought upon significant changes in the self-perception of those, who refer to themselves as "Tunten".
The presentation of self-images and self-definitions of various Berlin Tunten of the early 2000s shows a diversity and in part a new orientation in the self-perception and the political activities of these social actors. Simultaneously these new self-images reveal a diversity of different gender identities. This diversity refutes the stereotypes, which exist in the mainstream society as well as in the subcultures, and shows the importance of taking the context of socio-historical and subcultural processes into account, when studying these identities.  

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“ALMOST HOMOSEXUAL“ – Schwule Frauen/ Schwule Transgender (GirlFags/Trans*Fags)

von Uli Meyer

A B S T R A C T

Der Versuch, in vier Teilen ein bislang schwierig zu beschreibendes Phänomen zu erfassen:
Teil 1 hinterfragt die gängigen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität als eindeutige Identitäten und vermerkt ihr Scheitern, wenn es um die Beschreibung Schwuler Frauen und Transgender geht.
Teil 2 führt einige wiederkehrende Erfahrungen im Er-Leben schwuler Frauen und Transgender auf, als da wären: Die Unsichtbarkeit, die Unlesbarkeit, das Herausfallen, das Missverständnis, das „Beinahe“.
Teil 3 folgt der schönen alten Tradition des Name-Dropping und wendet die in Teil 1 & 2 erarbeiteten Kriterien an, um einige berühmte Schwule Frauen/Transgender zu „outen“, z.B. George Sand, Sarah Grand, Carrington, Eve K. Sedgewick; des Weiteren die Autor_innen und Leser_innen von schwulen/transgender Manga und Slash.
Teil 4 berichtet vom Heraustreten aus der Nicht-Existenz seit den 1980er Jahren, am Beispiel von Lou Sullivan, Del La Grace Volcano und dem Girl Fag Forum.
Plus: Ein kurzer Anhang über die Darstellung von Schwulen Frauen/Transgender in der Populärkultur, am Beispiel der Shanghai Oper „The Butterfly Lovers“, „Yentl“, „Victor/Victoria“ und der Hongkong Filme „He’s the Woman, she’s the Man“ und „Who’s the Woman, who’s the Man?“.

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“ALMOST HOMOSEXUAL“ – Schwule Frauen/ Schwule Transgender (GirlFags/Trans*Fags)

by Uli Meyer

A B S T R A C T

This text attempts to describe the hitherto indescribable in four parts:
Pt. 1 questions common ideas about gender and sexuality as markers of a fixed identity and notes their failure when it comes to describing girlfags and transfags.
Pt. lists some recurring experiences in the lives of girlfags and transfags, such as: invisibility, illegibility, misunderstanding, fall out, and the "almost".
Pt. 3 follows the time honoured tradition of name dropping, and, in applying the criteria we have elaborated in Pts. 1+2, "outs" several famous girlfags/transfags, i.e. George Sand, Sarah Grand, Carrington, Eve K. Sedgewick; furthermore the authors and readers of gay/transgender manga and slash.
Pt. 4 reports an emergence from non-existence since the 1980s, instancing Lou Sullivan, Del La Grace Volcano, and the GirlFag online group.
Plus: A short excurse on the depiction of girlfags/transfags in popular culture, such as the Shanghai Opera "The Butterfly Lovers", "Yentl", "Victor/Victoria" und the Hong Kong films "He's the Woman, she's the man" and "Who's the Woman, who's the Man?"

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Zur Konstruktion von Geschlecht und Geschlechterregimen in dem Gender Recognition Act 2004 und im englischen Parlament

von Adrian de Silva

A B S T R A C T

Dieser Artikel skizziert das Gender Recognition Act 2004, das Gesetz, das einen Geschlechtswechsel im Vereinigten Königreich reguliert, und analysiert die Parlamentsdebatten, die sich im Zusammenhang mit dem Gesetzesentwurf entfalteten. Insbesondere konzentriert sich der Autor auf die dort zugrundeliegenden Konzepte von Geschlecht und Geschlechtsidentitätstörung im Hinblick auf ihre Bedeutung für normative Zweigeschlechtlichkeit. Er argumentiert, dass, obwohl das Gender Recognition Act im Gegensatz zu bisherigen vergleichbaren Gesetzen in EU-Staaten somatischem Fundamentalismus eine Absage erteilt und somit auch die Debatte um die Revision des TSG in der Bundesrepublik Deutschland inspirieren könnte, perpetuiert es weitgehend Prinzipien normativer Zweigeschlechtlichkeit. Im Gegensatz hierzu lassen die Parlamentsdebatten eine Vielfalt von Geschlechterkonzepten erkennen, von denen einige essentialistische Konzepte von Geschlecht und normative Zweigeschlechtlichkeit in Frage stellen. Der Autor schließt aus seiner Analyse, dass Geschlecht eher eine Definitionssache zu sein erscheint als ein dem Menschen innewohnender, unveränderbarer Wesenszug.

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Zur Konstruktion von Geschlecht und Geschlechterregimen in dem Gender Recognition Act 2004 und im englischen Parlament

by Adrian de Silva

A B S T R A C T

This article outlines the Gender Recognition Act 2004, an Act to make provision for and in connection with change of gender, and analyses the Parliament debates on this issue. In particular, the author focuses on the underlying concepts of gender and gender dysphoria and relates these concepts to normative bigenderism. He argues that despite the fact that the Gender Recognition Act, unlike its predecessors in other EU countries, departs from somatic fundamentalism, and therefore could inspire the debate on the reform of the German Transsexual Law, it more or less perpetuates principles of normative bigenderism. By contrast, the Parliament debates reveal a plethora of concepts of gender of which some question essentialist concepts of gender and normative bigenderism. The author concludes from his findings that gender appears to be more a matter of definition than that of the true essence of an individual.

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